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8. März 2017

Reaktivierung des Niedermoores Rahmer Benden

 

Die meisten Niedermoore sind entwässert und wurden kultiviert. Die Lage innerhalb der Waldgebiete zwischen Düsseldorf und Duisburg hat dem Niedermoor Rahmer Benden eine naturnahe Ausprägung bewahrt.

Das etwa 30 ha große Kerngebiet ist etwa zur Hälfte bewaldet, während die offene Landschaft von Röhrichten und Hochstaudenfluren sowie Gebüschgruppen charakterisiert wird. Das Niedermoor konnte sich bei Eintritt des Dickelsbaches in die Rheinebene entwickeln. Hier führte die Verlangsamung der Fließgeschwindigkeit zu ausgeprägter Sedimentation der aus der Bergischen Heideterrasse ausgewaschenen Sande und der Rhein verursachte zugleich Rückstauwirkungen in das Nebengewässer. Der Landschaftsraum versumpfte und das Niedermoor konnte entstehen. Die BUND-Ortsgruppe Ratingen betreut das Niedermoor seit den 1980er Jahren. Es wurden seither Pflegemaßnahmen durchgeführt, ein Großteil der nicht bewaldeten Flächen inzwischen erworben oder gepachtet. Schrittweise erfolgten NSG-Ausweisungen im Bereich des Kerngebietes und die Aufnahme in das Schutzgebietssystem Natura 2000. Nun sollen auch die wasserwirtschaftlichen Sünden aus dem vorigen Jahrhundert korrigiert und die seither unterbrochene Moordynamik durch eine Reaktivierung der niedermoorspezifischen hydraulischen Prozesse wiederhergestellt werden. Da die grundsätzliche Zustimmung des unmittelbar benachbarten Waldeigentümers zu dem Vorhaben besteht ist ein wesentlicher Faktor für ein erfolgreiches Genehmigungsverfahren zur Realisierung der Moorreaktivierung gegeben.

Die europäische Wasserrahmen-Richtlinie (WRRL) hat für die Realisierung des Projektes die politische Grundlage geschaffen und durch die Initiative des Umweltministeriums können nun die unterschiedlichen behördlichen Zuständigkeiten im Grenzbereich von vier kommunalen Gebietskörperschaften (Stadt Düsseldorf, Stadt Duisburg, Stadt Mülheim/Ruhr und Stadt Ratingen (Kreis Mettmann)) mit vier eigenständigen Unteren Wasserbehörden sowie zwei Unterhaltungsverbänden (Bergisch-Rheinischer Wasserverband und Wirtschaftsbetriebe Duisburg) überwunden werden. Im Rahmen eines vom BUND getragenen Pilotprojektes ist zur Realisierung der Moor-Reaktivierung eine ganzheitliche Betrachtung des Gewässersystems vorgesehen, um nicht nur die Wechselwirkungen aus dem Einzugsgebiet des Dickelsbaches abbilden, sondern auch mögliche Folgewirkungen der angestrebten Wiedervernässung für das Umfeld und für die nachfolgende Gewässerstrecke einschätzen zu können. Weitere Erkenntnisse und Ansatzpunkte für wasserwirtschaftliche Verbesserungen im Gewässernetz sind ein umweltpolitisch willkommener Nebeneffekt. Auf die absehbaren Rückhalteleistungen des Vorhabens hoffen dabei viele Bürger aus den Siedlungsgebieten Düsseldorf-Angermund und Duisburg-Rahm, deren Hochwasserrisiken durch das Projekt des BUND gemindert werden können.

In Anbetracht der beträchtlichen positiven Wirkungen des Projektes auf grundlegende Umweltfaktoren und -funktionen treten die unmittelbaren positiven Effekte der Moor-Reaktivierung für die Pflanzen- und Tierwelt etwas in den Hintergrund. Doch Lorbeer-Weide (Salix pentandra), Ringelnatter (Natrix natrix) und Waldschnepfe (Scolopax rusticola) setzen ebenfalls auf die Karte BUND.

Text und Foto: Jörg Haafke

 

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Grünes Band, Elbe, Allee, Fotos: K. Leidorf (www.leidorf.de), E. P. Dörfler, www.pixelio.de


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